Mit EnthusiASMus ins Jubiläumsjahr

SJBO-Galakonzert in Günzburg

Ein Start ins neue Jahr ohne SJBO-Konzert ist im ASM
undenkbar. Das diesjährige Galakonzert war einmal mehr eine
unvergessliche Demonstration der Vielseitigkeit des Orchesters
und der Blasmusik ganz allgemein – und ein würdiger Start ins
Jubiläumsjahr »100 Jahre Allgäu-Schwäbischer Musikbund«.

Die SJBO-Dirigentin Dr. Verena Mösenbichler-Bryant ist inzwischen für ihre besonderen Konzertprogramme bekannt. Beim Dreikönigskonzert wurde sie ihrem Ruf einmal mehr gerecht. Klassiker des Blasorchesterrepertoires standen Seite an Seite mit neuen, hierzulande weitgehend unbekannten, aber deshalb nicht minder beeindruckenden Werken. 

Aber von vorn: Zum 90-jährigen Bestehen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes komponierte der luxemburgische Komponist Marco Pütz seine »Festive Fanfare«. Am Beginn des Jubiläumsjahres »100 Jahre Allgäu-Schwäbischer Musikbund« wurde dieses Werk nun wieder aufgeführt – passender konnte das SJBO kaum starten. Und auch kaum festlicher. Der Auftragskomposition folgte mit der »First Suite in Es« von Gustav Holst eines der bahnbrechenden Originalwerke der Blasorchesterliteratur. Das Werk ist noch ein paar Jahre älter als der ASM selbst und ermutigte nach Auskunft des neuen Moderatoren-Duos Eva Wiblishauser und Pius Schweier damals auch andere Komponisten, für die neue Besetzungsform »Military Band« zu komponieren. Die SJBO-Interpretation der weithin bekannten »First Suite« zeigte, dass auch solcherart viel gespielte Werke immer noch verstecktes Potenzial bergen, wenn man sie neu betrachtet. Dem SJBO gelang in Günzburg eine ganz außergewöhnliche Aufführung. Unmittelbar auf die »First Suite« folgte »Suite Dreams« von Steven Bryant, ein Werk, das Themen aus der »First Suite« aufgreift, diese mit modernen Mitteln wie Aleatorik und gesungenen Patterns, aber auch räumlichen Effekten wie offstage gespielten Glockenspielen verarbeitet und sie dadurch in ein ganz neues Licht rückt. Schwebende Harmonien und subtile Farbwechsel sorgten für einen klangmalerischen, fast träume­rischen zehnminütigen Hochgenuss.

Noch vor der Pause folgte mit Søren Hyldgaards »Rapsodia Borealis« ein Höhepunkt unter lauter Höhepunkten. Als Solist war der 35-jährige Bassposaunist Jakob Grimm mit von der Partie und meisterte mit seiner Bassposaune die herausfordernde Tenorposaunen-Solopartie bravourös. Dass er trotz seiner jungen Jahre bereits als Markenbotschafter von Antoine Courtois tätig ist und beim SJBO-Konzert mit einem von weltweit zwei Prototypen einer ganz neuen Bassposaune auf der Bühne stand, zeigt den musikalischen Stellenwert Grimms, der im Hauptberuf an der ­Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl unterrichtet. Sein ganzes Potenzial zeigte der Solist – soviel sei vorweggenommen – bei der Zugabe: Der 3. Satz aus Daniel Schnyders Bassposaunen-Kracher »Subzero« entfesselte den gelernten Bassposaunisten Jakob Grimm und das Schwäbische Jugendblasorchester und erntete zurecht stehenden Applaus.

Auch in der zweiten Konzerthälfte kamen die rund 700 im fast voll besetzten (und erweiterten) Forum am Hofgarten auf ihre Kosten. Einer atemberaubenden Ouvertüre zu Johann Strauss’ Operette »Die Fledermaus« folgte Rolf Rudins spätromantisch anmutende Komposition »Der Traum des Oenghus«. Im Programm wirkte der »Florentiner Marsch« wie ein kleiner Stilbruch, das SJBO verband aber alle Werke mit seiner ausgefeilten Klangsprache. Und in ein Programm, das die ganze Vielfalt der Blasmusik zeigt, passt der Florentiner Marsch ohnehin bestens hinein. Den Abschluss des »offiziellen« Teils machte »The frozen Cathedral« von John Mackey, für das sich der Komponist vom Mount McKinley oder Denali inspirieren ließ, dem höchsten Berg Nordamerikas. Das SJBO zeigte den Giganten mit seinen glitzernden Gletschern in seiner ganzen beeindruckenden Größe und unbezähmbaren Schönheit, verhehlte dabei aber auch die Bedrohung durch die Naturgewalten des Berges nicht. Für die surrealen Klang­effekte wurden unter anderem gleich mehrere Cellobögen eingesetzt: an Vi­brafon-Platten, gestimmten Weingläsern oder auch an Waterphones – ganz und gar außergewöhnlichen Percussioninstrumenten. Die Effekte waren wie bei »Suite Dreams« auch im Zuschauerraum verteilt. Kein Wunder, dass das Publikum nach diesem mitreißenden, spektakulären und in jeder Hinsicht außergewöhnlichen und beeindruckenden Werk stürmisch auf eine Zugabe drängte. Die wurde mit dem bereits erwähnten zweiten Auftritt des Bassposaunisten Jakob Grimm gern und eindrucksvoll gewährt, bevor die Zuschauer mit der zweiten Zugabe Zeugen einer Uraufführung wurden: Kurt Pascher hat dem ASM den Marsch »Tradition und Zukunft« gewidmet, der mit sehr abwechslungsreicher Klangsprache seinem Titel gerecht wird. Der Marsch soll demnächst auch verlegt werden, sodass er noch im ASM-­Jubiläumsjahr von allen interessierten ASM-Kapellen gespielt werden kann. Den Abschluss machte – wie schon in den zurückliegenden Jahren – der »Radetzky Marsch«, bei dem Dr. Verena Mösenbichler-Bryant die Dynamikfähigkeit des begeistert mitklatschenden Publikums prüfte. Am Ende des Konzerts bedankte sich Dirigentin Dr. Verena Mösenbichler-Bryant beim ASM für die Unterstützung des Orchesters. Das SJBO sei nicht nur eine Fortbildungsmaßnahme, sondern eine Investition in die Zukunft der Blasmusik in Bayerisch-Schwaben. Insofern sei auch die finanzielle Unterstützung der Sponsoren und des Freundeskreises des SJBO sehr gut angelegt. Buffet Crampon ermöglichte als langjähriger Partner des ASM die Mitwirkung von Jakob Grimm. Der Dank der Dirigentin richtete sich auch »nach innen«: Die Orchestersprecher und das dreiköpfige Betreuungsteam um Orchestermanagerin und -mama Barbara Batzer sorgten auch dieses Mal für einen reibungslosen Ablauf und eine gute Atmosphäre bei der Probenphase. Die nächste Gelegenheit, das Schwäbische Jugendblasorchester zu erleben, bietet sich am 11. September. An diesem Freitagabend wird das SJBO unter der Leitung von Dr. Verena Mösenbichler-Bryant ein Kirchenkonzert in der Mindelheimer Stadtpfarrkirche St. Stephan geben – auch dieses Konzert dürfte wieder ein außer­gewöhnlicher Hörgenuss werden. Den Termin sollte man sich jedenfalls schon einmal dick im Kalender anstreichen.
Text und Fotos: Martin Hommer